[Reise] Wenn einer eine Reise tut… Teil II

Der Reisebericht vom gÖTTERGATTEN geht weiter. Viel Spaß beim Lesen!


Nach einer Anreise zum Vergessen schaffte ich es, eine erholsame Nacht in einem Hilton Hotel in der Nähe der Mall of the Emirates zu genießen. Bevor ich mich aber auf den Weg zu meinem ersten Ausflugsziel machte, plünderte ich zunächst das Frühstücksbuffet im Hotel. Es war sehr reichhaltig und lecker. Obwohl schon viele Gäste auf den Beinen waren konnte ich einen Tisch für mich ergattern und genoss die unterschiedlichen Speisen.  Frisch gestärkt packte ich anschließend meinen Rucksack und betrat die Lobby. Da es noch relativ früh war, die Uhrzeit bewegte sich noch im einstelligen Bereich, war meine Vermutung auf halbwegs angenehme Temperaturen vor dem Hotel zu treffen…

Denkste! Der erste Schritt aus der Drehtür belehrte mich eines Besseren. Mit ordentlicher Wucht traf mich eine deftige Hitzewelle mitten ins Gesicht. Was habe ich mir nur gedacht zu dieser Jahreszeit nach Dubai zu fliegen? Egal, nun war ich hier. Mein Blick fand schnell einen der in der Nähe liegenden Shops, in dem ich mir Wasserflaschen holte. Nun sollte es aber endlich losgehen, also Basecap und Sonnenbrille aufsetzen und los…

Ich folgte den Schildern zur Metro und bemerkte schnell, dass nur eine Handvoll Leute auf den Straßen unterwegs waren. Nach der Hälfte des Weges zur Metro wusste ich auch warum. Der Schweiß ran mir in Strömen über das Gesicht und den Rücken. Eine knappe viertel Stunde Fußmarsch erreichte ich endlich den, glücklicherweise klimatisierten, Bahnhof der Metro. Mit dem Ticket in der Hand kühlte ich mich erstmal ab und schüttete einen Großteil der ersten Wasserflasche in mich hinein. Da die Züge im 10-Minuten-Takt unterwegs sind, konnte ich getrost zwei Züge später nehmen. Auch diese sind klimatisiert, fast noch kälter als die Bahnhöfe! Und so ging es parallel zur Sheikh Zayed Road auf Downtown Dubai zu. Weil die Metro auf Hochschienen fährt, kann sie sich zügig vorwärts bewegen und wird nicht an Kreuzungen aufgehalten. Die Bahnhöfe gleichen von außen fast einem, aus einem Science Fiction Film entsprungenen, Raumschiff und stellen oft die einzige Möglichkeit zu Überquerung der sechsspurigen Hauptverkehrsstraße Dubais dar. Von meiner Endstation aus konnte ich über einen oberirdischen, und ihr werdet es kaum glauben, klimatisierten Fußgängertunnel bis zur Mall entlang wandern und schon erste Blicke auf die zahlreichen Wolkenkratzer werfen. In der Dubai Mall, mit 350.000 m² Verkaufsfläche eines der größten Einkaufszentren der Welt, brauchte ich ein wenig Zeit um mich überhaupt erstmal zu orientieren. Einigen Hinweisschildern und dem dank WLAN verfügbaren Google Maps schaffte ich es schließlich die richtige Richtung einzuschlagen. Aber nicht das ihr denkt, ich wollte nur shoppen! Nein, nein, mein Ziel war nämlich das an die Dubai Mall grenzende Gebäude: der Burj Khalifa, das mit 828 m  höchste Gebäude der Welt.

Am Eingangsbereich holte ich meine Eintrittskarte ab, schnappte mir meinen Fotoapparat und gab den Rucksack ab. Dann ging es über einige verwinkelte Gänge zu den Aufzügen. In gerade einmal 60 Sekunden ging es die 125 Stockwerke hinauf zur Aussichtsplattform At the Top! Gespannt auf die Aussicht präsentierte sich mir erstmal nur eine, dem Aufzug gegenüberliegende, Wand. Aber den Ohs und Ahs folgend kam ich schnell zu den bodentiefen Fenstern, die in fast 460 Metern Höhe einen atemberaubenden Blick über die Stadt, den Persischen Golf und die Wüste gewähren.

In der Ferne konnte man die Inselgruppe The World und den Burj al Arab, das oft als 7-Sterne-Haus beworbene Hotel, sehen. Die künstliche Halbinsel Palm Jumeirah ließ sich im Dunst leider nur erahnen, ebenso wie mein Hotel neben der Mall of the Emirates. Trotzdem war es schon faszinierend die Kontraste der Finanzviertel mit ihren riesigen Glaswolkenkratzern und der Wohnviertel mit den flachen, aber hellen Steinbauten zu beobachten. In Richtung des Landesinneren konnte ich noch einige neue Baustellen ausmachen, die zeigen, dass es mit dem Bauboom in Dubai noch lange nicht vorbei ist. In aller Ruhe umrundete ich die erste Aussichtsplattform bevor ich mich eine Etage tiefer begab und im Souvenirshop den ersten Schwung Postkarten kaufte. Auf dieser Etage wagte ich mich auch auf die Außenplattform. Die Temperatur war nicht wirklich niedriger als am Boden, aber der Wind in dieser Höhe sorgte doch für eine kleine Erfrischung. Nach dem ich mich satt gesehen hatte, stellte ich mich an der Schlange für den Aufzug an und fuhr zurück ins „Kellergeschoss“, wo sich der Ausgang befand. Auf dem Weg vom Aufzug zum Ausgang ging ich an einer Wand entlang, die den Baufortschritt des riesigen Burj Khalifa dokumentierten. Jetzt wird jeder denken, wenn man so ein Gebäude baut, geht es zügig gen Himmel, aber eigentlich ging es erstmal in die andere Richtung. Denn für einen so hohen Wolkenkratzer benötigt man natürlich ein stabiles Fundament, das im Januar 2004 in einer Grube in 60 m Tiefe begonnen wurde.

Nach gerade einmal fünf Jahren stand das Gebäude in seiner vollen Größe von 828 m am Persischen Golf, aber es sollte noch mal fast ein Jahr vergehen, bis alle Außenverkleidungen angebracht waren und es schließlich eröffnet wurde.

Mittlerweile war die Mittagszeit heran und trotz des guten Frühstücks nagte der Hunger an mir und ich suchte, nachdem ich meinen Rucksack abgeholt hatte, einen der Food Courts auf. Auswahl gab es dort mehr als reichlich, so dass jeder Hunger gestillt werden kann. Bevor ich den Taxistand für den Rückweg zum Hotel aufsuchte, wanderte ich noch ein wenig durch die Dubai Mall, vorbei am The Souk, einem alten Goldmarkt nachempfundenen Bereich innerhalb der Mall, und der Eislaufbahn.

Ich wagte sogar noch einen kurzen Abstecher nach draußen um den Burj Khalifa nochmal zu fotografieren. Am frühen Nachmittag setzte mich das Taxi dann am Hotel ab, wo ich mir eine kleine Pause gönnte und auf meine Abholung am Nachmittag wartete, denn der Tag war noch lange nicht vorbei.

Gegen 16 Uhr wurde ich abgeholt und zusammen mit einer sehr netten englischen Familie ging es ins Landesinnere. Unser Fahrer für den Nachmittag/Abend war leider ein wenig wortkarg, aber auf der Autobahn in die Wüste gab es auch nicht soo viel zu sehen. Nach etwa einer dreiviertel Stunde fuhr er plötzlich an den Straßenrand und werkelte an den Reifen herum. Danach ging es wenige Meter weiter durch ein geöffnetes Tor von der Straße direkt in die Wüste. Außer uns kurvten dort bereits ein paar andere Jeeps der Firma umher und sorgten für das ein oder andere ängstliche Gesicht bei den Fahrgästen.

Nach einem ersten Fotostopp ging es weiter hinein in den Sand. Dabei nahm unser Fahrer keine Rücksicht auf das Gekreische seiner Fahrgäste. Ich saß glücklicherweise auf dem Beifahrersitz und konnte das ein oder andere Mal ein Grinsen auf seinem Gesicht sehen, wenn er eine besonders steile Sanddüne in Schräglage entlangfuhr und ein erschrockenes „Oh my god!“ vom Rücksitzbank kam. Leider hat er es an einer Stelle ein wenig übertrieben, wodurch ein Reifen von der Felge sprang und wir einen unfreiwilligen Boxenstopp einlegen mussten.

Aber zwei andere Fahrer hielten ebenfalls an, von denen einer einen Holzklotz und der andere einen Wagenheber brachte. Unser Fahrer hatte das fehlende Utensil, einen Kompressor, im Kofferraum mit dem der Reifen schnell wieder an Ort und Stelle gebracht war. Als wir dann nicht minder vorsichtig weiterfuhren, feixten wir oft über die teilweise sehr ängstlichen Gesichter der asiatischen Fahrgäste im Jeep vor uns, die sich an jedem möglichen Griff festkrallten. Bei einem weiteren geplanten Stopp bot ich meinen Platz einem der anderen Fahrgäste an, aber das wurde dankend abgelehnt, wodurch in den Genuss der freien Sicht auf die Dünen vor mir kam. So ging es noch eine ganze Weile die Dünen auf und ab und es flog noch jede Menge Sand über die Frontscheibe. Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, wechselten wir mit den anderen Jeeps das Gebiet und fuhren zu einem der Firma gehörenden Wüstencamp, wo wir in den Genuss eines ausgezeichneten Barbecues mit traditionellem Tanz als Begleitprogramm kommen sollten.

Bis das Essen fertig war, wurden kurze Kamelritte und traditionelle Kopfbedeckungen angeboten. Ich nutzte die Gelegenheit noch ein paar Bilder dieser unwirtlichen Wüstenlandschaft zu machen, in der, ohne die anderen Gäste eine fast schon gespenstische Stille herrscht. Der Sonnenuntergang ließ sich leider nicht einfangen, da über dem Horizont ein dicker Staubschleier hing, der die untergehende Sonne leider verschluckte.

 

 

Zum bereits erwähnten Barbecue kam dann ein Tänzer auf die Bühne, die aus einigen ausgelegten Teppichen bestand. In unzähligen Pirouetten wirbelte er in seinen farbenfrohen Gewändern minutenlang über die Teppiche, bevor er einige der Gäste ebenfalls aufforderte es ihm gleich zu tun. Das gelang eher schlecht als recht, aber alle die sich trauten, gaben ihr bestes, was mit entsprechendem Beifall belohnt wurde. Später trat dann noch eine Bauchtänzerin aus, die ebenfalls einige der Gäste zum mittanzen aufforderte. Nach ihrem Auftritt verbreitete sich Aufbruchsstimmung. Einige Fahrer packten sich noch ein paar Snacks ein und Stück für Stück düsten die Jeeps anschließend in die nächtliche Wüste davon. Trotz der Dunkelheit fuhr unser Fahrer keineswegs langsamer durch die nur vom Fernlicht beleuchtete Wüste. Das sorgte bei der englischen Familie wieder für einige erschrockene Rufe, wenn die Straße plötzlich seitlich wegknickte und der Jeep mehr quer durch diese Knicke über den Sand glitt.

Auf dem knapp einstündigen Rückweg nach Dubai konnten wir unseren Fahrer dann schließlich doch noch zu einem kleine Gespräch „überreden“ und er erzählte wie er dazu kam Touristen in die Wüste zu kutschieren, und wie das Training dafür aussah. Was mir auf dem Rückweg auffiel war, dass alle Autobahnen die wir nutzten komplett mit Straßenbeleuchtung ausgestattet waren und, dass wir einen anderen Rückweg nahmen. Das lag daran, dass wir zunächst die englische Familie zu ihrem Hotel brachten. Sie hatten sich gleich mal im Atlantis auf der Palm Jumeirah einquartiert und so kam ich doch noch in den Genuss die Insel und das riesige Hotel an ihrem Ende aus auf der  der Nähe zu sehen. Von dort aus waren wir dann auch schnell bei meinem Hotel angelangt, wo ich mich vom Fahrer verabschiedete und für den tollen Nachmittag bedankte.

Dieser tolle erste Tag ließ mich die Strapazen der Anreise schnell vergessen und ich fiel grinsend ins Bett und freute mich auf den kommenden Tag.

© nxcalibur, a.k.a. dER gÖTTERGATTE

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