[Reise] Mit dem Rad in Schweden unterwegs – Sightseeing in Göteborg

Donnerstag, der 06. Juni 2019. Svenska flaggans dag. Oder auch der schwedische Nationalfeiertag. Ganz Göteborg putzte sich heraus, überall flatterten kleine und große Flaggen im mäßigen Wind. Am späten Morgen, manch einer würde vielleicht auch schon Vormittag sagen, stand ich auf und ging erstmal in Ruhe, aber reichlich frühstücken. Anschließend packte ich meine Sachen zusammen und überlegte was ich mir in Göteborg alles ansehen wollte. Gerade noch rechtzeitig erschien ich dann in der Lobby zum Check-Out. Ich ließ meinen Gepäckträgertaschen im Hotel und holte mein Fahrrad aus der Tiefgarage. Ein wenig ungewohnt, ohne den zusätzlichen Ballast am Gepäckträger radelte ich erstmal in Richtung des Fährhafens, um am Nachmittag nicht zu spät zu meiner Fähre zu kommen.

Keine 15 Minuten später stand ich auch schon am Ufer der Göta Älv und von dort ging es dann wieder auf dem letzten Abschnitt des Kattegattleden in Richtung des Zentrums von Göteborg.

Skansen Kronan

Mein erstes Ziel des Tages war Skansen Kronan. Eine historische Festungsanlage im Stadtteil Haga, oder besser gesagt oberhalb von Haga. Denn der Weg zu dieser kleinen Festung führte über mehrere hundert Stufen.

Wie das Gegenstück Skansen Lejonet trägt auch Skansen Kronan sein namensgebendes Symbol auf dem Dach. Gemeint ist die golden schimmernde Krone auf dem Dach des erhalten gebliebenen Turmes.

Skansen Lejonet hingegen trägt einen Löwen auf seinem Dach, dort war ich allerdings nicht extra um mich davon zu überzeugen. Zum Nationalfeiertag wehten an den Flaggenmasten große schwedische Flaggen im Wind. Die Sonne lachte vom leicht bewölkten Himmel und ich hatte einen tollen Blick über die Dächer von Göteborg.

Altstadt

Ich umrundete den Turm und knipste ein wenig herum, bevor ich die etlichen Stufen wieder herunterstieg und mit dem Fahrrad durch die, unter dem Skansen Kronan liegende, Altstadt schlenderte. An so ziemlich jeder Ecke befindet sich dort ein Café vor dem die Leute saßen und dem schwedischen Fika nachgingen.

Von der Altstadt aus, fuhr ich, vorbei an vielen historischen Gebäuden, zur Feskekôrka (doch dazu gleich mehr).

Stadtrundfahrt

Von der Feskekôrka aus fuhr ich entlang des Kanals durch die weitläufigen Parkanlagen von Göteborg. Am Opernhaus bog ich ab und fand neben der Kungsportsbron einen Anbieter für Stadtrundfahrten. Da ich am Tag zuvor schon so eine Stadtrundfahrt an mir vorbeifahren gesehen hatte, hielt ich an und holte mir ein Ticket. Bis zur nächsten Abfahrt hatte ich noch eine halbe Stunde Zeit. Also schlenderte ich etwas umher, kaufte mir ein Wasser und ein leckeres Eis. Was mich immer noch fasziniert ist, dass man in Schweden selbst zwei Kugeln Eis einfach mal so mit Kreditkarte zahlen kann, während man in manchen Restaurants in Deutschland noch nicht mal mit ec-Karte zahlen kann. Egal, nach dem Eis reihte ich mich in die Schlange der wartenden Gäste und kurz darauf konnten wir das Boot betreten. Richtig, die Stadtrundfahrt sollte auf dem Wasser stattfinden.

Zu Beginn der ca. 1-stündigen Tour begrüßte uns unser Erzähler Gabriel, ein sympathischer Schwede aus Göteborg, vom Bug des Bootes. Gesteuert wurde das Boot am Heck von Philippa, einer jungen Schwedin aus Stockholm. Diese Kombination sorgte für einige witzige Dialoge zwischen den beiden quer über das Boot, oder die ein oder andere musikalische Einlage, wenn Gabriel Göteborg besser da stehen lassen wollte als Stockholm und Philippa das nicht hören wollte. Die Tour startete neben der schon erwähnten Kungsportsbron und wir fuhren zunächst an den, nach Aussage Gabriels, etwas teureren Wohngegenden der Innenstadt vorbei, bevor wir in die Nähe des Hauptbahnhofes kamen, wo ich genau diese beiden Spaßvögel mit ihrem Boot schon am Tag zuvor gesehen, bzw. gehört hatte. Wir passierten die fast 150 Jahre alte Schleuse gegenüber des Drottningtorget, dem Vorplatz des Hauptbahnhofes, nutzten sie aber selber nicht, was ein bisschen schade war.

Wir folgten stattdessen dem Kanal weiter in Richtung des alten Handelshafens, der heute aber nicht mehr genutzt wird. Von dort konnten wir, zwischen den zahlreichen Reisebussen hindurch, einen kurzen Blick auf das zu Ehren des Stadtbegründers Gustav Adolf errichtete Denkmal werfen. Am anderen Ende des alten Hafenbeckens konnten wir das Göteborger Stadtmuseum bewundern. Dort standen nicht ganz so viele Reisebusse davor.       

Weiter ging es unter ziemlich niedrigen Brücken hindurch in das heutige Hafenbecken von Göteborg. Philippa steuerte uns zunächst die Göta Älv flussaufwärts vorbei am Marinemuseum und dem modernen Opernhaus zum Hotel- und Restaurantschiff Viking. Das ehemalige Segelschulschiff ist heute fest mir dem Pier im Hafen vertäut und dient nur noch als Restaurant und Hotel. Philippa steuerte unser kleines Boot so nah an die Viking heran, dass Gabriel den Rumpf kurz berühren konnte und wir uns angesichts der riesigen Viermastbark wie in einer Nussschale vorkamen.

Danach wendete unser Boot und wir fuhren auf der Nordseite des Hafenbeckens entlang in Richtung Westen vorbei an den alten Werften der Stadt. Von der Produktivität der Werften zeugen heuten nur noch die riesigen Kräne an den Docks. In den meisten Fällen wurden die Anlage zu hippen Wohnviertel oder Wissenschafts- oder Industrieparks umgewandelt was zu einem regen Fährverkehr zwischen den beiden Ufern der Göta Älv führt.

Kurz darauf fuhren wir unter der wohl niedrigsten Brücke Göteborgs hindurch. Selbst Gabriel, der bisher immer auf ein paar Stufen am Bug gesessen und seine Geschichten zum Besten gegeben hatte, rutschte fast auf das Deck unseres Bootes herunter und viele Gäste rutschten ebenfalls tiefer in ihre Sitze.

Wenige Meter weiter erreichten wir die bereits erwähnte Feskekôrka. Dieses, an eine neugotische Kirche erinnernde Gebäude, ist jedoch keine Kirche, sondern eine Fischhalle. Sie wurde im Jahr 1874 eröffnet, weil der verkaufte im Fisch im Sommer doch etwas unangenehm roch, was die Anwohner aus der Umgebung störte (so zumindest die „Legende“ von Gabriel). Auch heute noch wird dort Fisch verkauft, aber auch ein Restaurant ist im Inneren zu finden.

Wir folgten dem Kanal zurück zu unserem Ausgangspunkt, während Gabriel noch einiges zur Entstehung der Stadt und den Schwierigkeiten beim Ausbau der Stadt erzählte. So sollen zum Beispiel die Niederländer sehr beim Auf- und Ausbau der Stadt geholfen haben, da das Gelände auf  – dem Göteborg heute steht, sehr sumpfig ist.

Zurück zum Hotel

Mit dem Ohrwurm-verdächtigen Lied September von Earth, Wind & Fire legten wir nach gut einer Stunde wieder an und verabschiedeten uns von den beiden Spaßvögel Gabriel und Philippa. Ich sattelte meinen Drahtesel wieder und radelte noch ein wenig planlos durch die Altstadt Göteborgs, bis ich unverhofft wieder vor der Tacobar stand, in der ich am Tag zuvor schon gegessen hatte. Spontan hielt ich an und gönnte mir noch ein spätes Mittagessen. Heute dauerte es allerdings etwas länger, weil auch viele andere Leute die Idee hatten. Ich ließ den Nachtmittag gemütlich ausklingen und radelte in aller Ruhe zurück in Richtung Hotel. In einem kleinen Kiosk kaufte ich noch ein paar kleine Snacks und etwas zu Trinken, bevor ich letztendlich zum Hotel aufbrach und gegen 17 Uhr mein Gepäck abholte und mich auf den Weg zum Fährhafen machte.

Auf die Fähre, fertig, los

Der Check-In am Terminal ging schneller als ich meine Reservierung und meinen Ausweis aus den Taschen herauskramen konnte und so hatte ich noch über eine halbe Stunde Zeit bis ich auf die Fähre konnte. Es warteten schon etliche Passagiere auf das Boarding und diesmal waren auch wesentlich mehr Radfahrer dabei, als auf der ersten Fähre nach Schweden. Auch der Radler, den ich schon zwei Tage zuvor auf dem Campingplatz kurz hinter Kungsbacka getroffen hatte, war unter den Wartenden. Ich suchte mir, wie die meisten anderen auch, ein schattiges Plätzchen. Als wir dann endlich die Fähre stürmen konnten, nahm ich mir Zeit und radelte in aller Ruhe unter Deck. Die anderen Radler stürmten den Unterstand und so herrschte schnell ein ziemliches Durcheinander in dem kleinen Abteil. Ich nahm in Ruhe meine Taschen vom Fahrrad ab und schob als Letzter mein Rad in das Abteil. Danach erklomm ich die Treppen bis hinauf zu Deck 9 und bezog meine Meerblickkabine. Dann schnappte ich mir meinen Fotoapparat und erkundete erstmal das Schiff, die Stena Scandinavia.

Eine Schiff nach dem anderen verließ vor uns den Hafen und als wir schließlich ablegten erkannte ich auch warum alle vor uns fuhren, denn die Fähre drehte sich gleich nach dem Ablegen um 180° und blockierte damit das komplette Hafenbecken. Nach dem Wendemanöver steuerten wir gen Westen auf den Kattegatt zu. Dabei fuhren wir auch wieder unter der Älvsborgsbron hindurch hinaus in die Scherenlandschaft der schwedischen Küste.

Fähre in die Heimat

Die Überfahrt nach Kiel sollte dem Wetterbericht nach sehr ruhig werden und auf dem Wasser war kaum Wellengang zu spüren. Ich schlenderte nach dem Auslaufen noch ein wenig über das Außendeck und genoss das tolle Abendwetter. Nachdem ich meinen Fotoapparat weggebracht hatte, holte ich mir in der Bordbar noch ein paar Snacks und ein Getränk um der Livemusik in der C-View Bar zu lauschen. Gegen 21 Uhr schlich ich dann müde auf meine Kabine zurück, duschte und fiel erschöpft ins Bett. Während ich noch ein paar Notizen in mein Reisenotizbüchlein kritzelte, blitzte es in der Ferne ein paar Mal und mir kamen, der aufziehenden dunklen Wolken, ein paar Zweifel an der ruhigen Überfahrt. Doch es blieb bei einem sanften Schaukeln, und ich verschlief die Fahrt tief und fest.

© nxcalibur, a.k.a. DER gÖTTERGATTE

„Lieber gesund strampeln, als warten an Ampeln.“ (unbekannt)

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