[Reise] Das Wandern ist des Touri‘s Lust…

Donnerstag, 22.03.2018

Wer auf Madeira weilt, der muss wandern gehen. Denn neben seinen farbenfrohen Blumen ist Madeira auch für seine zahlreichen Wanderwege bekannt. Insbesondere die Levada-Wanderungen sind sehr beliebt. Also entschieden wir uns am Vortag auch dazu an zwei dieser Wanderungen teilzunehmen.

Start mit Hindernissen

Für den heutigen Tag hatten wir uns vorgenommen die Hochebene Paúl da Serra im Westen der Insel aufzusuchen. Naja, eigentlich mussten wir nach dem Frühstück nur den richtigen Bus vor dem Hotel suchen, denn wir wurden von einer ortsansässigen Firma abgeholt und diese stellte auch einen erfahrenen Tourguide bereit, damit sich niemand auf den Wanderwegen verläuft. Aber da fingen die Probleme schon an. Zur vereinbarten Zeit war nämlich kein Bus da. Es kamen zwar immer mal Busse an und holten Leute ab, aber niemand wollte uns mitnehmen. Die Prinzessin, schon leicht genervt, wollte bei TUI Beschwerde einreichen und nach einem kurzem Telefonat und etwa 10 Minuten, nicht gerade spannender, Warteschleifenmusik kam mit fast 30 Minuten Verspätung  und quietschenden Reifen schließlich doch noch ein Kleinbus vor dem Hoteleingang zum Stehen. Dicht dahinter kam ähnlich rasant ein Taxi zum Stehen. Die Fahrerin des Kleinbusses und der Taxifahrer sprangen heraus und legten sogleich auf Portugiesisch los. Wir hielten erstmal Abstand, wer weiß was da los war. Nachdem einer ihrer Fahrgäste auch noch in das Gespräch hineingezogen wurde und mit dem Fahrgast des Taxifahrers getauscht wurde, wagten wir es schließlich doch die alles entscheidende Frage zu stellen: Holen Sie uns zur Wanderung in Rabaçal ab? – Wie ausgewechselt, stellte sie sich zunächst als Emilia vor und bot uns auch gleich an im Bus Platz zu nehmen. Daraufhin erklärte sie kurz das kurze Tohuwabohu und die Verspätung die mit dem Fahrgast des Taxis zu tun hatte, der nicht am vereinbarten Abholpunkt gewartet hatte, sondern an einem anderen Hotel wodurch sie ein Hotel doppelt anfahren musste und dann durch den alltäglichen Berufsverkehrsstau von Funchal zu spät bei unserem Hotel war. Da es nun los gehen konnte, waren alle guter Laune und wir düsten auch gleich los. Da überwiegend deutsche Touristen in der Gruppe waren, erzählte sie auch auf Deutsch über Madeiras Geschichte und Natur. Lediglich für zwei Franzosen übersetzte sie von Zeit zu Zeit etwas, obwohl beide Deutsch weitestgehend verstanden.

Der Weg zum Forsthaus Rabaçal

Nach einer rasanten Fahrt durch zahllose Tunnel und Abkürzungen durch enge  und vor allem steile Straßen erreichten wir schließlich die Hochebene. Schon vom Parkplatz in fast 1.300 m Höhe, direkt am Rande eines Tals hatte man eine spektakuläre Aussicht. Wir zückten sofort die Kameras und knipsten drauf los, während die anderen Teilnehmer ihre Wanderstöcke sortierten. Ein wenig mulmig wurde uns dabei schon, denn wir waren scheinbar die einzigen mit größeren Digitalkameras, der Rest der Teilnehmer beschränkte sich auf Mobiltelefon oder Kompaktkameras. Nun gut, was soll’s wir sahen es gelassen. Gleich darauf starteten wir auch mit der Wanderung ins Tal. Satte 160 m Höhenunterschied erwarteten uns auf den erste knapp 1,5 km. Und die erste Hürde ließ nicht lange auf sich warten. Ein aus den Bergen kommender Bach suchte sich seinen Weg direkt über den Wanderweg. Ein paar lose Trittsteine sollten helfen trockenen Fußes über das Wasser zu kommen. Die Prinzessin und ich blieben erstmal skeptisch stehen und beobachteten die anderen Wanderer bei der wagemutigen Aktion. Dank gut imprägnierter Schuhe schafften auch wir die erste Hürde und setzten den Weg fort zum Forsthaus Rabaçal. Dort erzählte uns Emilia erst einmal was uns denn auf der Wanderung erwarten würde.

Erste Etappe – Risco Wasserfälle

Als erstes sollte es entlang der Levada do Risco zu den Risco Wasserfällen gehen. Die mit knapp 200m höchsten Wasserfälle von Madeira befinden sich am Ende einer der zahllosen, kleinen Wasseradern, genannt Levada, welche die Bergregionen durchziehen. Immer wieder kamen wir an schmalen Wegstücken vorbei, bei denen es links mehrere hundert Meter ins Tal ging und rechts nach der kleinen Mauer zur Levada ging es wiederum mehrere hundert Meter bergauf. Aber da die Wanderwege oftmals dem Verlauf der Levadas folgen, war der Höhenunterschied zwischen unserem Ausgangspunkt, dem Forsthaus und dem Wasserfall nicht allzu groß. Verlaufen ist hier eher unwahrscheinlich, da die Wege nur in eine Richtung verlaufen und gut ausgeschildert sind. Unterwegs sowie am Wasserfall sahen wir immer wieder kleine Buchfinken, die über die Mauern hüpften. Das Sommergoldhähnchen, den kleinsten Vogel der Insel bekamen wir leider immer nur kurz zu Gesicht, da dieser ständig zwischen den Bäumen hin und her springt als hätte er ADS und sich nicht so gerne fotografieren lässt.

Zweite Etappe – Levada das 25 Fontes

Nach dem Besuch des Wasserfalls, gingen wir einen Teil des Weges zurück bis zu einer Steintreppe und folgten ihr und dem anschließend Weg, der Levada das 25 Fontes. Die Wanderwege sind größtenteils im Wald unter den Bäumen versteckt, was durchaus auch mal etwas gruselig wirken kann, wenn mal keine Touristengruppe durchmarschiert. Aber die angenehmen Temperaturen sorgten für gute Laune bei allen Beteiligten und wir kamen gut voran. Immer wieder bot sich uns ein spektakulärer Ausblick auf das Tal, wenn die Bäume uns ein kleines Fenster öffneten. Am Ende der Levada das 25 Fontes befinden sich ein kleiner Talkessel in den sich, je nach Wasservorrat, um die 25 kleine Bäche ergießen. Hier machten wir auch eine größere Pause, damit jeder sich satt sehen, jede Menge Bilder schießen und etwas essen konnte.

Letzter Wanderabschnitt – Ab durch den Tunnel

Ein halbe Stunde später mussten wir uns leider auf den Rückweg machen. Der Weg führte zunächst auf demselben Weg zurück, den wir hergekommen waren, doch wir verzichteten darauf die Steintreppe wieder raufzukrabbeln und wanderten stattdessen auf fast ebenem Weg weiter. Als letzte Hürde des Wandertages wartete auf uns ein fast 800 m langer Tunnel. Wir hatten zwar von Tunneln auf manchen Wanderungen gelesen, aber natürlich die Taschenlampen zu Hause gelassen, weil wir nicht bewusst solche Wanderungen machen wollten. Aber die Wanderguides kennen ihre Kundschaft und so hatten wir bereits zu Beginn der Wanderung Lampen bekommen. Nach einigen Stunden der Wanderung durch angenehme Bergwelten kramten nun alle hektisch in ihren Rucksäcken nach Pullovern und Jacken um der zu erwartenden Kälte entgegen zu wirken. Nur der Göttergatte griff gekonnt in den Rucksack, setzte seine Wintermütze auf und zog den Reißverschluss  der Weste. Emilia, unsere Führerin fragte noch mal nach ob alle Lampen und warme Jacken hätten und stutzte doch sehr bei meinem Anblick. Ob denn eine Mütze und eine Weste ausreichen würden fragte sie, weil im Tunnel nur 5 Grad herrschen. Sicher doch, erwiderte ich grinsend in kurzer Hose, T-Shirt und Weste. Zugegeben die Wintermütze störte das Bild ein wenig, aber ohne weitere Verzögerung ging ich in den Tunnel. Die ausgegebenen Lampen entpuppten sich eher als Funzeln, denn ständig musste man an der Kurbel drehen um sie wieder aufzuladen. Davon hatte ich bald genug und verstaute die Funzel sicher im Rucksack und griff in kurzer Dunkelheit nach meinem Telefon um die dort integrierte Taschenlampenfunktion zu nutzen. Siehe da es ward Licht! Sicher konnte ich einen Schritt vor den anderen setzen ohne mir den Kopf zu stoßen oder in eine Pfütze zu treten. Denn links neben dem Tunnelgang floss eine Levada durch den Berg und plätscherte in der Dunkelheit munter vor sich hin. Wir erreichten schnell den Ausgang des Tunnels und viele der Wanderer, die sich zuvor noch dick verpackt in den Tunnel gewagt hatten, hatten unterwegs ihre Jacken geöffnet, da es in dem Tunnel nicht ganz zu kalt war wie erwartet.  Vielleicht um die 10 Grad. Wenn man in Bewegung bleibt, merkt man das gar nicht. Auf der anderen Seite des Berges erwartete uns jedoch ein völlig anderes Bild. Das üppige, dichte Grün von Rabaçal wich weiten, teils kargen Berghängen und wohlig warmen Sonnenschein. Schon bald stieg uns der Geruch der nicht weit entfernt stehenden Eukalyptusbäume in die Nase. Neben ein paar Gräsern ist das noch das einzige was derzeit hier wächst. Nach schweren Waldbränden im Sommer 2016 hat sich die Gegend noch nicht vollständig wieder erholt. Lediglich die sehr robusten Eukalyptusbäume haben das Feuer halbwegs unbeschadet überstanden. Aufgrund der hohen Menge an Wasser, das sie dem Boden entziehen, werden bei einem Waldbrand meist nur das Blattwerk und die Rinde beschädigt. Diese platzt irgendwann ab  und der Baum wächst fröhlich weiter. Auf Madeira wurden diese Bäume zur schnellen Wiederaufforstung gepflanzt, haben sich mittlerweile jedoch als Plage entwickelt, da sie dem Boden und anderen Pflanzen zu viel Wasser entziehen. Bei dem guten Klima wachsen die Bäume locker vier bis fünf Meter pro Jahr, eignen sich aber nur zur Papier- oder Bonbonherstellung. Die kurze Wanderung durch diesen Teil des Tals war auch unser letzter Abschnitt. An der nächsten Straße wartete unser Bus, der in der Zwischenzeit von einem Kollegen von Emilia hier hergefahren wurde.

Kurzes Päuschen in Calheta

In einem nahegelegenen Calheta konnten wir uns an einer kleine Bar nochmal stärken und auch von hier einen spektakulären Ausblick genießen, bevor wir entlang der Südküste, wieder durch etliche Tunnel, zurück nach Funchal gefahren wurden. Auf der Rückfahrt erzählte Emilia uns noch, dass sie sich, mithilfe von Videos auf einer namhaften Videoplattform, selber Deutsch beigebracht hätte. Und mal abgesehen von den verwechselten Artikeln, die wir ja im Deutschen recht zahlreich haben, machte sie ihre Sache auch sehr gut, was sie sehr freute.

Am Hotel verabschiedeten wir uns von unserer Mitwanderern und Emilia und fielen kurz danach erschöpft auf das Bett. Da sich aber schnell der Hunger bemerkbar machte, erhoben wir uns wieder und gingen Abendbrot essen. Die beliebtesten Plätze waren natürlich die Terassenplätze, da sich wieder ein traumhafter Ausblick auf den Sonnenuntergang im Atlantik bot. Und viele, die schon gegessen hatten, blieben wie festgeklebt auf ihren Plätzen sitzen, quatschten mit anderen Reisenden oder schauten verträumt auf das Meer. Zu dem Zeitpunkt waren wir aber schon auf unserem Balkon und genossen den Sonnenuntergang für uns allein.

© DER gÖTTERGATTE

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