[Reise] Mit dem Rad in Schweden unterwegs – Jetzt geht’s erst richtig los!

Freitag, 31. Mai 2019. Ausgeschlafen und einigermaßen erholt von dem langen Ritt am Vortag erwachte ich in meinem Hotelzimmer. Ein Rundumblick offenbarte das mittelschwere Chaos, dass ich Abend zuvor hinterlassen hatte. Meine Sachen hingen auf Kleiderbügel verteilt an der Garderobe, oder an Schränken, meine Taschen standen auf oder neben Stühlen, meine Schuhe hingen über der Heizung und der Regenschutzmeiner Taschen baumelte an der Türklinke. Ich ließ meinen Kopf zurück auf das Kissen fallen und dachte lachend an den gestrigen Tag zurück.

Auf die Plätze…

Schließlich stand ich auf und wagte einen Blick aus dem Fenster. Die Sonne hatte es noch nicht ganz durch die Wolken geschafft, also frühstückte ich erstmal eine Kleinigkeit. Im Anschluss begann ich meine sieben Sachen zusammenzusuchen und machte mich langsam abfahrbereit.

… fertig…

Gegen 11 Uhr checkte ich aus und sattelte meinen Drahtesel bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein vor dem Hotel. Von dort aus legte ich die letzten Kilometer bis zum Hauptbahnhof von Helsingborg zurück, von dessen Vorplatz aus der Kattegattleden startet. Oder endet, je nachdem in welche Richtung man fährt. Kurz vor Mittag erreichte ich den Startpunkt meines kleinen Abenteuers, den Knutpunkten, oder zu Deutsch Knotenpunkt. Das ist ein kleiner Platz vor dem Hauptbahnhof, direkt neben dem Hafen von Helsingborg, wo gerade eine Fähre aus dem dänischen Helsingör anlegte, und gegenüber vom Rathaus.

… los!

Nach ein paar Fotos hieß es endlich: Los geht’s! Ich schwang mich aufs Rad und folgte dem ersten Hinweisschild des Kattegattleden. Gut gelaunt radelte ich entlang des breiten Radweges durch Helsingborg und erreichte bald die Strandpromenade im Norden der Stadt. Dort fand gerade ein Beach-Handball-Turnier statt, durch welches ich mich hindurch schlängelte um aus der Stadt herauszukommen. Am Schloss Sofiero legte ich eine kurze Pause ein um meine Wasservorräte aufzufüllen und mir ein leckeres Eis zu gönnen.

Biker unter sich

Anschließend radelte ich bei strahlendem Sonnenschein munter weiter gen Norden durch viele kleine Küstendörfer. Nach etwa einer Stunde erreichte ich hübsche kleinen Städtchen Viken. Der Freisitz eines Restaurants und mein knurrender Magen luden mich ein eine Mittagspause einzulegen. Kaum das ich mich gesetzt hatte, rollte eine größere Truppe Biker heran. Allerdings waren sie nicht mit dem Fahrrad, sondern mit Motorrädern unterwegs. Schnell füllte sich der Freisitz und schließlich setzten sich auch welche an meinen Tisch. Nach dem alle bestellt hatten und die harten Jungs mit ihren Lederjacken mit prallgefüllten Tellern vom Salatbuffet zurückkamen, kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass sie größtenteils aus Göteborg, dem Ziel meiner Reise stammten. Während und nach dem Essen plauderten wir eine Weile, bis wir uns schließlich verabschiedeten und ich meine Reise fortsetzte.

Das Ende der ersten Etappe

Also nicht das Ende meiner Tagesetappe, sondern das Ende der ersten Etappe des Kattegattleden. Die geht nämlich bis nach Höganäs. In diesem kleinen Städtchen wurde ich auch von drei „rasenden“ Schweden überholt, die ich an diesem Tag noch mehrmals wiedersehen sollte. Dass ich sie wiedersehen sollte, ahnte ich schon, als sie mir wenig später wieder entgegenkamen und in dieselbe Straße einbogen, in die ich einbog. An der Hafenpromenade überholte ich sie, als sie an einem Freisitz einkehrten. Ich radelte weiter und hatte kurz hinter Höganäs meine ersten 25 km auf dem Kattegattleden geschafft. Bald darauf bog der Kattegattleden ins Landesinnere ab und ich radelte an weiten Feldern, ein paar Windmühlen, Kühen und Weiden vorbei, bis ich bei Arild wieder ans Wasser kam. Mit einem tollen Blick über die Bucht Skälderviken zur Linken radelte ich weiter in Richtung Ängelholm. Beim Genießen des Ausblicks wurde ich übrigens wieder von den bereits erwähnten drei „rasenden“ Schweden überholt.

Erleuchtung in Ängelholm

Am späten Nachmittag erreichte ich die Stadtgrenze von Ängelholm und gönnte mir erstmal eine Pause auf einer kleinen Parkbank am Wegesrand. Und während ich da so in der Sonne saß und im Kopf meine Route für den nächsten Tag plante, kam mir ein viel wichtigerer Gedanke, wo übernachte ich eigentlich? Für diese Nacht hatte ich vor im Zelt zu übernachten. Dank des allemannsrätt, zu Deutsch Jedermannsrecht, ist es möglich auch außerhalb von Zeltplätzen jederzeit zu übernachten. Wie im Prolog schon erwähnt, gibt es da nur ein paar einfache Regeln zu beachten. Zum einen sollte man genügend Abstand zu privaten Wohnhäusern einhalten, auf zahlreichen Websites stößt man dabei auf die Angabe von ca. 150 m. Ebenso sollte man landwirtschaftlich genutzte Flächen meiden. Und das Wichtigste: Hinterlasse die Natur so ungestört, wie Du sie vorgefunden hast!

Das klingt in der Theorie erstmal recht einfach. An der schwedischen Westküste, wo sich Naturreservate und die eben erwähnten landwirtschaftlichen Nutzflächen die Klinke in die Hand geben ist es nicht ganz so einfach einen ungestörten Platz zu finden. Nach ein wenig Recherche fand ich jedoch einen Zeltplatz in Ängelholm, der sehr ansprechend war. Dabei fiel es mir wie Schuppen von den Augen… Meine nächste gebuchte Hotelübernachtung war nicht am folgenden, sondern erst am übernächsten Tag! Ohne es schön reden zu wollen: Ich war zu weit gefahren! Ich hätte schon eher anhalten und mein Zelt aufschlagen sollen. Somit hatte ich jetzt natürlich viel Zeit. Also beendete ich meine Pause und schob mein Rad zur Abwechslung mal ein paar Meter.

Prompt wurde ich dabei wieder von den drei „rasenden“ Schweden überholt, die sich auch gleich erkundigten ob alles in Ordnung sei. Als ich mein „Dilemma“ erklärte, lachten sie nur und wir setzten unsere Wege fort. Nach einiger Zeit stieg ich wieder aufs Rad und radelte gemütlich ins Zentrum von Ängelholm, wo ich in einer kleinen Pizzeria Abendbrot aß. So ohne Helm erkannte ich sie erst gar nicht, aber die drei „rasenden“ Schweden saßen ebenfalls dort und stärkten sich nach ihrer Tour.

Campingidylle

Frisch gestärkt nahm ich von dort meinen Weg in Richtung Zeltplatz wieder auf. Die noch relativ hoch am Himmel stehende Sonne täuschte ein wenig darüber hinweg, dass es mittlerweile Abend geworden war. Entspannt radelte ich am Bahnhof von Ängelholm vorbei in Richtung des Zeltplatzes Råbocka Camping. Ich wollte spontan mein Glück versuchen oder notfalls weiterradeln und mir ein Plätzchen im Wald suchen. Die Maßen an Wohnmobilen und Campern überraschten mich anfangs, da ich die Schweden nicht als Camper auf dem Schirm hatte. Anders als die Niederländer und die Deutschen. Am Eingang wartete bereits ein Schild, dass die Kunde von einem ausgebuchten Platz verbreitete. Zufällig übersah ich dieses und fuhr zur Rezeption. Zu meiner Überraschung war der Check-In für einen Zeltplatz problemlos möglich, da sich das Schild am Eingang nur auf Stellplätze für Wohnmobile bezog. So stand ich kaum 5 Minuten später mit einer Karte der Anlage wieder draußen und schob mein Rad zu dem für Zelte vorgesehenem Areal. Auf dem Gelände selber war gut was los. Viele Kinder rannten umher und spielten, währende Eltern vor den Hütten oder Wohnmobilen saßen und grillten oder quatschten. Ich suchte mir, in gebührendem Abstand zu den beiden bereits aufgebauten Zelten ein Plätzchen unter einem Baum und begann mein Zelt aufzubauen. Meine kleine Dackelgarage, wie ich sie liebevoll nenne, stand schnell und ich konnte anschließend noch einen Spaziergang zum nahegelegenen Strand unternehmen. Dieser war fast menschenleer und bot ein wundervolles Panorama zum Horizont und der sich langsam senkenden Sonne.

Abendstimmung

Zunächst einmal watete ich ins Wasser, das angenehm kühl war und kaum Wellen warf. Danach setzte ich mich auf eine Bank und genoss die Stille. Die heutige Etappe war mit etwa 74 km nicht annähernd so lang wie die vorige, weshalb ich auch aufgrund des schöneren Wetters bessere Laune hatte. Bis zum Sonnenuntergang war es noch fast eine Stunde Zeit, weshalb ich nochmal zum Zelt zurück ging und mein kleines Reisenotizbuch mit den Tageserlebnissen füllte. Gegen 21:30 Uhr schlenderte ich schließlich zurück zum Strand, an dem sich mittlerweile auch einige andere Camper eingefunden hatten und die tolle Aussicht genossen. Etliche digitale und mentale Fotos später ging ich müde durch die Dünen zurück zum Zeltplatz, stolperte aber unterwegs noch über einen kleinen Geocache, den ich dankend loggte. Auf dem Zeltplatz herrschte immer noch Jubel, Trubel und Heiterkeit an den Wohnmobilen, während aus einem der Nachbarzelte schon wohliges Schnarchen kam. Ich krabbelte in meinen Schlafsack in der Dackelgarage, was sich beim ersten Mal ein wenig schwieriger gestaltete als gedacht, und schlief auch bald ein.

© nxcalibur, a.k.a. DER gÖTTERGATTE

„Nichts ist vergleichbar mit der einfachen Freude, Rad zu fahren.“ John F. Kennedy, 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1917 – 1963

Quelle: sydostleden.se/de
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